STREUOBSTPÄDAGOGEN

WIE MAN BEGEISTERUNG EINPFLANZT

Wie macht man Kindern und Jugendlichen das Thema Streuobst schmackhaft? Mit 50 Prozent Wissen, ...<br />
(Foto: NABU Märkischer Kreis)
Wie macht man Kindern und Jugendlichen das Thema Streuobst schmackhaft? Mit 50 Prozent Wissen, ...
(Foto: NABU Märkischer Kreis)
Leckerer Fruchtsaft und frisches Obst von alten Obstwiesen aus der Region sind wieder gefragt. Zugleich sind Streuobstwiesen wertvolle Lebensräume für viele Pflanzen und Tiere. Die Erhaltung und Pflege dieser Schmuckstücke der Kulturlandschaft sind aber keine Selbstläufer. Nur dem Idealismus vieler örtlicher Initiativen und Einzelpersonen ist es zu verdanken, dass man in Nordrhein-Westfalen noch blühende (Obst-)Landschaften erleben kann. Damit die Begeisterung für diesen Natur- und Kulturschatz auch
in die kommenden Generationen gepflanzt werden kann, fördert die NRW-Stiftung seit 2017 Lehrgänge in Streuobst-Pädagogik. Die ersten frisch geprüften "Streuobstler" tragen seit dem letzten Herbst die Botschaft weiter.

Beate Holderied, die Hauptreferentin des ersten Jahrgangs, sieht ihre eigene Leidenschaft für den Streuobstanbau als Voraussetzung einer praxisorientierten Lehrtätigkeit: "Ein Bewusstsein zu schaffen gelingt am ehesten mit Aktionen oder Projekten,
bei denen die Teilnehmer mit allen Sinnen eintauchen", so die erfahrene Expertin und Vorsitzende des Vereins Streuobst-Pädagogen e. V. Für den Kurs ist sie vom Vereinssitz im baden-württembergischen Landkreis Böblingen angereist. Bundesweit haben bereits über 300 Schulklassen an einem umweltpädagogischen Grundschulprojekt mit Namen "Die Streuobstwiese – Unser Klassenzimmer im Grünen" des Vereins teilgenommen. "Ich bin inmitten von Streuobstwiesen aufgewachsen, es war und ist mir wichtig, diese einzigartige Kulturlandschaft zu schützen und zu erhalten!"

Baumschnitt, Bienen, Backrezepte

... 50 Prozent didaktischer Erfahrung und 100 Prozent eigener Begeisterung!<br />
(Foto: NABU Märkischer Kreis)
... 50 Prozent didaktischer Erfahrung und 100 Prozent eigener Begeisterung!
(Foto: NABU Märkischer Kreis)
Der anspruchsvolle Lehrgang umfasst 82 Unterrichtsstunden. Dabei sind die Schulungstage in fünf Blöcken über das gesamte Jahr verteilt. Neben der Theorie wird im Winter der Baumschnitt geübt,
im Frühjahr folgen Termine während der Obstblüte, und im Sommer lernt man Vögel, Insekten und Pflanzen zu bestimmen. "Wir haben sogar Fledermäuse mit einem Bat-Detektor belauscht", berichtet Andrea Kanter aus Kleve, die zu den erfolgreichen Absolventinnen des ersten Jahrgangs gehört. Weiterhin gehören die Wiesennutzung mit der Sense und die Verwertung des Mahdguts zum Praxis-Programm. Dass auch die herbstliche Obsternte, das Saftherstellen und Backrezepte nicht zu kurz kommen, versteht sich von selbst. "An zwei Kurstagen hatten wir auch Schulklassen da, jeder von uns hat mit einer Gruppe von Kindern eine eigene Aktion erprobt, und die Erfahrungen haben wir nachher mit der Dozentin diskutiert", so die Erzieherin, die sich in ihrer Freizeit im "LiKK e. V." einem Klever Verein für Landschaftspflege engagiert.

Der ideale Ort für eine gute Idee

Gemeinsame Aktionen schaffen unvergessliche Erfahrungen.<br />
(Foto: NABU Märkischer Kreis)
Gemeinsame Aktionen schaffen unvergessliche Erfahrungen.
(Foto: NABU Märkischer Kreis)
Als Glücksfall empfinden die Teilnehmer, dass der Lehrgang auf dem Hof der Stiftung Märkisches Sauerland in Iserlohn angeboten wird. Mit mehr als 1.000 Bäumen auf den angrenzenden Streuobstwiesen bietet der Hof perfekte Bedingungen. Ob auch eine erfahrene Landschaftspflegerin bei einem Obstwiesenkurs noch dazulernen kann? "Und ob! – ich hab‘ früher gedacht: Okay, das ist ‘ne Obstwiese, ist ja nicht so schwer zu verstehen‘, aber wie vielfältig und faszinierend dieses Thema ist, merkt man erst, wenn man tiefer eintaucht – die Geschichte des Obstbaues, die ganzen Kulturtechniken, die damit zusammen- hängen, die ungeheure Sortenvielfalt, der komplexe Lebensraum – das ist doch toll, das will ich auch weitergeben." Andrea Kanters Plan: Bei Veranstaltungen ihres Vereins, zu denen auch viele Familien kommen, möchte sie Aktionen für Kinder und Jugendliche zum Thema Streuobstwiesen anbieten.


Text: Günter Matzke-Hajek
Streuobst – Was ist das eigentlich?

Heißt die Streuobstwiese so, weil die Bäume ihr Obst in die Wiese streuen oder weil die Wiese neben Obst auch Streu für den Stall liefert? Weder noch! Gemeint sind die um ein Dorf verstreut liegenden Wiesen, auf denen vor allem hochstämmige Apfel- und Birnbäume stehen. Die Erträge dienten früher der bäuerlichen Selbstversorgung oder sie wurden auf lokalen Märkten angeboten. Streuobstwiesen lassen sich doppelt nutzen: Zusätzlich zum Obstertrag kann man zwischen und unter den Bäumen ein- bis zweimal jährlich Heu machen oder von Zeit zu Zeit Weidevieh grasen lassen. In vielen Gegenden wurden Streuobstwiesen in den vergangenen 50 Jahren aufgegeben, weil sie als unwirtschaftlich galten. Ihre Erhaltung oder Renaissance verdanken sie dem Engagement von Natur- und Umweltschützern. Kommerzieller Obstbau wird heute fast nur noch in maschinengerechten Obstplantagen betrieben. Diese sind aber artenarm und bieten für gefährdete Pflanzen und Tiere keinen gleichwertigen Lebensraum.

Stand der Angaben: 01/2018


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Der NABU, Märkischer Kreisverband e. V., bietet seit 2017 gemeinsam mit der Stiftung Märkisches Sauerland eine Ausbildung in Streuobst-
Pädagogik an. Das von der NRW-Stiftung geförderte Angebot richtet sich an ehrenamtlich Aktive und Pädagogen sowie alle Naturbegeisterten, die Schulkinder und Jugendliche für das Biotop Streuobstwiese interessieren
 wollen. Die Ausbildung erfolgt durch Expertinnen
 und Experten, die praktisch anwendbares
 Wissen zu Obstbau, Naturschutz und Didaktik
 vermitteln. Der Kurs ist auf elf Tage aufgeteilt und schließt
 mit einer Prüfung ab.

www.nabu-mk.de/streuobstpaedagogik

Googlemap aufrufenNABU Märkischer Kreisverband e. V.
Akazienweg 27
58675 Hemer
Telefon: 01578 9510524
www.nabu-mk.de

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